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17.02.2017, 12:17 Uhr

Antisemitismus und Migrationsgesellschaft

 

Am 13. Februar 2017 lud Cemile Giousouf, Mitglied des Bundestages und Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion, zu einem Fachgespräch über „Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft“ ein. Es ging hauptsächlich um den aktuellen Antisemitismus an unseren Schulen. Politische Konflikte aus dem Nahen Osten werden nämlich eins zu eins auf Schulhöfen oder im Unterricht ausgetragen – dies oft nicht nur verbal. 
 
Da Deutschland ein Einwanderungsland ist, ist eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Kulturen sehr wichtig. Gerade die starke Nachfrage nach interkulturellen Lehrerfortbildungen zeigt, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer Hilfe suchen. Sie müssen grundsätzlich befähigt werden, mit Vielfalt umzugehen und antisemitische Einstellungen in Bezug auf den Nahostkonflikt zu thematisieren und verurteilen zu können.
Dies wird verstärkt durch eine zunehmende Zahl an muslimischen Schülerinnen und Schülern, die antisemitische Stereotype meist im Elternhaus erfahren – sogar noch über die dritte und vierte Generation der Einwandererkinder hinweg. 
 
Curricula und Unterricht sollten daher die gesellschaftlichen Veränderungen berücksichtigen und Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, sich eine politische Meinung entlang demokratischer Richtwerte bilden zu können. Schließlich können antisemitische Äußerungen, so Daniel Botman, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, als antidemokratische oder verfassungsferne Äußerungen betrachtet werden. Anknüpfungspunkte bilden vor allem historisch-politische Fächer, Religionsunterricht sowie Fächer und Projekte im Themenkreis von Philosophie und Ethik. 
 
Die Organisationen „Dialog macht Schule“ und „Teach First Deutschland“, welche unter anderem bei dem Gespräch vertreten waren, leisten außerdem einen sinnvollen Beitrag zur politischen Bildung. Sie holen Schülerinnen und Schülern auf einem niedrigschwelligen Level ab und bieten ihnen eine Plattform, wo sie ihre Gefühle und Einstellungen gegenüber anderen Kulturen und Religionen hinterfragen und offen darüber sprechen können. Dadurch werden Vorurteile abgebaut, Gemeinsamkeiten hervorgehoben und das gegenseitige kulturelle Verständnis gestärkt.
 
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche sich mit der Shoah und dem Holocaust beschäftigen, auch wenn sie im Elternhaus keine Berührungspunkte damit haben – eben weil es Teil der deutschen Geschichte ist und sich hier nicht wiederholen darf. Viel schwieriger ist es, einen Zugang zu Erwachsenen zu finden, um sie für die Thematik der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu sensibilisieren.
 

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