© MARTIN PATZELT (MDB)

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23.06.2017, 15:27 Uhr

Die Jungen und die Alten müssen zusammenhalten

 

Rede zum 15. Kinder- und Jugendbericht sowie zum 7. Bericht zur Lage der älteren Generation am 23.6.2017
 
In Vertretung meiner erkrankten Fraktionskollegen Astrid Timmermann-Fechter habe ich am Freitag (23.6.2017) zum 15. Kinder- und Jugendbericht sowie zum 7. Bericht zur Lage der älteren Generation gesprochen. Von meinem Lebensalter her kann ich ja auf ein gewisses Maß an in der Seniorenproblematik bauen.
 
Wir erleben in den Kommunen jetzt vermehrt, dass sich Seniorinnen und Senioren auf sogenannten Seniorenmessen darstellen. Sie präsentieren da ihre sportlichen Aktivitäten, sie präsentieren ihr Engagement in der Gesellschaft, ihre Freizeitgestaltung in Chören, in Seniorentheatern, in Bastelkreisen. Sie haben eigene Begegnungsstätten. Sie machen darauf aufmerksam, dass sie eine aktive Rolle in unserer Gesellschaft spielen wollen und tatsächlich auch spielen. Sie gestalten eine Seniorenzeitung, werden von Wohlfahrtsverbänden, auch von den Kommunen unterstützt. Es ist eine Frage der Wahrnehmung, es ist die Frage, wie wir als die Generation der Entscheider - dazu zähle ich mich auch wieder - die Senioren in ihrer Situation und mit ihren Potenzialen tatsächlich auch anerkennen.
Ich finde es hervorragend, dass wir die Diskussion des Jugendberichts und des Altenberichts zusammen durchführen. Es setzt noch einen drauf, dass wir das zusammen mit dem Engagementbericht diskutieren.
Miteinander kommunizieren
Diese drei Dinge gehören unausweichlich zusammen, wenn man eine gesunde Gesellschaft denkt. „Die Jungen und die Alten müssen fest zusammenhalten“ war in meiner Kinderzeit ein Hit, und daran hat sich wahrscheinlich nichts geändert. Es gilt, in einer sich immer mehr diversifizierenden Gesellschaft, in einer Gesellschaft, in der die Kommunikationsstrukturen sich völlig verändert haben - ich denke nur an das Internet und die Möglichkeit der älteren Generation, damit zu kommunizieren -, neue Wege zu finden. Wie schaffen wir es, dass die Jungen und die Alten ausreichend und in einer produktiven Weise miteinander kommunizieren können?
 
Wir dürfen nicht auf die Erfahrungen der Alten verzichten. Sie bringen etwas aus ihrer Lebensgeschichte mit, was die junge Generation nicht mehr haben kann. Ich denke nur an das Erleben von Armut, Not, Krieg und Aufbau. Wir haben schon öfter gemerkt: Wenn junge Menschen solche Erfahrungen nicht mehr haben, sind sie geneigt, die Welt, die Umwelt und die Zukunft aus ganz anderer Perspektive zu bedenken, und sie kommen dementsprechend zu bestimmten Entscheidungen. Kontinuität von historischer Erfahrung und Innovation in der Zukunft kommen eigentlich nur durch einen gesunden Austausch zwischen den Generationen zustande. Unsere Aufgabe als Politiker wäre es, Strukturen, Möglichkeiten genau dafür zu finden und die Bedingungen dafür zu fördern.

Mehrgenerationenhäuser
 
Wir machen vieles. Wir haben in der letzten Periode 130 Millionen Euro mehr für die „Soziale Stadt“ ausgegeben - zusätzlich zu den 700 Millionen Euro, die wir für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Wir haben die Projekte der Mehrgenerationenhäuser verstetigt. Aus Modellprojekten wurden ständige Einrichtungen - und das alles, weil wir erkannt haben: Wir brauchen auch Strukturen für den Austausch der Generationen und für ihr Zusammenwirken.
 
Aber wir dürfen nicht in die Gefahr geraten, die alten Menschen lediglich als Objekte unserer guten Versorgung zu betrachten. Wir wollen ihnen auch die Möglichkeit des Engagements geben. Wir müssen den alten Menschen deutlich machen, nicht nur verbal, sondern auch durch Strukturen und durch die Organisation unseres Zusammenlebens, dass wir sie brauchen, dass sie unverzichtbar sind. Entsprechend den Möglichkeiten, die ältere Menschen haben - sie sind an Orte gebunden, sie sind an bestimmte Kommunikationsformen gebunden -, müssen wir ihnen die Dinge erleichtern. Wir müssen es schaffen, dass wir im Gespräch bleiben.
 
Großeltern oft der Anker
 
Wir haben viele Leistungen von alten Menschen immer wieder auch öffentlich herausgestellt. Es ist beachtlich, was gerade die Generation der Großeltern heute für den Zusammenhalt von Familien leistet! In Patchworkfamilien sind Großeltern oft der Anker und ein Garant dafür, dass in einer sich ständig wandelnden Welt Kinder noch ein Stückchen Heimat erleben. Wenn all das, was die Großeltern da an Zeit, an Engagement und auch an Geld hineinstecken, wegfallen würde, wäre mir bange um den Zusammenhalt dieser Gesellschaft. Diese Leistung darf nicht nur individualisiert gesehen werden. Vielmehr muss sie im Zusammenhang mit unserer gesamtgesellschaftlichen Situation und Entwicklung hervorgehoben werden.
 
Die Frage ist ja nicht nur, welche Möglichkeiten wir jungen Menschen geben, sich an Entscheidungen in der Kommune zu beteiligen. Vielmehr hat der Altenbericht ja auch darauf verwiesen: Die Lebensorte der älteren Menschen sind vorwiegend in den Kommunen. Hier tragen wir eine große Verantwortung. Die Frage ist daher: Wie geben wir älteren Menschen die Möglichkeit der Beteiligung an Entscheidungen in den Kommunen bei einer wachsenden Abhängigkeit von Ort, Gelegenheit und Kommunikationsform? Darüber müssen wir nachdenken. Das müssen wir fördern. Das alles ist in unserem eigenen Interesse. Es ist ein gemeinsamer Weg, den wir gehen. 
 
Wer rastet, der rostet
 
Die Erfahrungen von Medizinern und Verhaltensforschern zeigen, dass ein höheres Lebensalter gerade dann gut und lebenswert sein kann, wenn Menschen beteiligt werden, wenn sie sich in Rahmen der Möglichkeiten, die sie haben, engagieren können. Darauf müssen wir unser Augenmerk legen. Wer rastet, der rostet. Das merken wir auch selber immer wieder - eine alte kollektive Erfahrung.
 
In der kommenden Legislaturperiode müssen wir genau da weiterdenken. Es geht nicht immer nur um konkrete Maßnahmen, sondern auch darum, das Ganze miteinander, mit Alt und Jung, zusammenzudenken. Ich meine dabei nicht nur die politische Bühne, wo wir von Maßnahme zu Maßnahme rutschen und denken: Dann haben wir es geschafft.
 

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