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19.10.2018, 14:45 Uhr

Erfolgreiche Mediation in Frankfurt (Oder)

 

In meinem Grußwort zur Mediations Conference am  6. Oktober 2018 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt(Oder) habe ich auf die erfolgreiche Einrichtung dieses Instruments in Frankfurt (Oder) hingewiesen. Zusammen mit Professoren der Universität habe ich in den 90-er Jahren, als die Ausländerfeindlichkeit zunahm, ein Projekt zur praxisorientierten Ausbildung von Mediatoren ins Leben gerufen. Diese Mediationsausbildung arbeitet noch heute. 
 
Ausgebildete Mediatoren, insbesondere auch Studierende der Viadrina und unterdessen in Verantwortung stehende Absolventen wie z.B. der amtierende Oberbürgermeister der Stadt, weisen gerne auf ihre dort erlebte Ausbildung hin. Vermutlich hat diese ihnen dabei geholfen, ihr heutiges Amt kompetenter und erfolgreicher auszufüllen. 
 
Eine Ausbildung zum Mediator konnte man auch durch die Verpflichtung zu unbezahlten Mediationsstunden nach Abschluss der Ausbildung finanzieren. So stand uns in der Stadt nach zwei Jahren eine Reihe von Mediatoren zur Verfügung, die in unterschiedlichsten Konfliktfeldern tätig wurden.  
 
Dieses vielfältige Wirken hat die Bereitschaft und Fähigkeit zum Ausgleich von Interessen zwischen verschiedenen Gruppen gefördert und wahrnehmbare Spuren hinterlassen. Die jüngsten gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Migranten und Einwohnern in Frankfurt fanden kein Echo in Bürgerdemonstrationen gegen Flüchtlinge wie in  Chemnitz, Cottbus, Bernburg oder anderen Städten. Vielleicht ist dies ein Indiz für die tatsächlich größere Bereitschaft in der Stadt, Probleme gewaltlos zu lösen. 
 
Zweitens war ich als Sozialpädagoge und als Oberbürgermeister immer mit der Bewältigung von Konflikten beschäftigt. Konfliktlösungen gehören auch jetzt für mich als Bundestagsabgeordneter zu den vorrangigen Aufgaben zur Bewältigung des persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Alltags. Lebt doch demokratisches Miteinander von der kleinsten Gruppe unserer Gesellschaft bis in die Internationale Politik hinein von einem  gelingenden, gewaltlosen Interessenausgleich, immer zugleich bedroht von der tradierten Anwendung von Gewalt zur Konfliktlösung. Das Mühen um Verstehen und die Ausbildung von Toleranz - nicht zuletzt auch Frustrationstoleranz - sowie die Befähigung zur Beherrschung dafür hilfreicher Strategien wird ein andauernder Prozess bleiben.
 
Das andauernde Bemühen um mediative Konfliktlösungen und eine zunehmende Befähigung  einer wachsenden Zahl von Menschen dazu hilft, den Ausweg aus der Barbarei, die Entwicklung des Humanen und dessen permanente Gefährdung voranzubringen. Als Mitglied des Menschenrechts- bzw. des Familienausschusses im Bundestag und als Politiker, der sich intensiv um die Bewältigung der Probleme der  Migration von Flüchtlingen in unserem Land bemüht, weiß ich sehr wohl, wovon ich rede. Nicht zuletzt trete ich unermüdlich dafür ein, Bedingungen für die Entwicklung von Empathie und Toleranz, Basiskompetenzen für Demokratieerhalt, von frühester Kindheit an zu fördern.  
 
Ich wünschte mir sehr, dass meine Kolleginnen und Kollegen und mehr und mehr politische Verantwortungsträger den Wert der Mediation erkennen und diese suchen wie fördern würden. Letztlich geht es um eine wachsende Befähigung des Menschen, in individuellen wie gesellschaftlichen Lebenszusammenhängen auf den Sinn und Wert von Interessenausgleich zu vertrauen.
 
Unterdessen ist die Mediation als Konfliktlösungsstrategie weit in die wissenschaftliche Forschung und Vermittlung, in Beratung und Praxis gedrungen. Der heutige Kongress gibt mit seinem ambitionierten Programm dafür den besten Beweis. 
 
 

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