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01.02.2019, 13:42 Uhr

Verabschiedung des ermordeten Danziger Bürgermeisters

 

Dicht gefüllte und für den Autoverkehr gesperrte Straßen prägten Danzig, als die Stadt ihrem langjährigen und jetzt ermordeten Bürgermeister Pawel Adamowicz am 18. Januar 2019 das letzte Geleit gab. Eine völlig überfüllte Marienkirche mit Spitzenpolitikern aus dem ganzen Lande, aus Brüssel, auch wir als kleine Delegation aus Deutschland mit dem Bundespräsidenten a.D. Joachim Gauck an der Spitze, mit der früheren Polenbeauftragte Prof. Dr. Gesine Schwan, Außenminister a.D. Markus Meckel und vier Bundestagsabgeordnete. Warum so eine Anteilnahme? Ein mutiger, tatkräftiger, menschennaher Politiker, der sich genauso wie für seine Stadt wie auch für Minderheiten wie Lesben und Schwulen einsetzte, was im jetzigen Polen keine Selbstverständlichkeit ist. Er war ein Politiker, dem die Europäische Integration eine Herzenssache war, der für seine klare unorthodoxe Haltung Feindseligkeiten und Bedrohungen hinnehmen musste. Er war ein Beispiel für mich und viele Politiker und auch dafür, wie solch eine Haltung, die immer mit Optimismus und Fröhlichkeit gelebt wurde, Menschen mitnehmen kann. Nun eben bis ans Grab. Drei Stunden Trauerfeier in einer kalten Kirche, Gottesdienst, viele persönliche Reden, Trauerzeremonien. Keiner verließ die Kirche vorzeitig. Berührend wie Ehefrau und Tochter zu uns sprachen, bittend, dass wir seinen Geist Leben sollen, Hass und Gewalt entgegentreten, auch dem Mörder verzeihen. Ich bin sehr dankbar, diesen Menschen durch die Reden und Gesten nach seinem Tod noch so intensiv kennengelernt zu haben und dafür, dass es Politiker wie ihn gab und gibt.
 

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