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18.05.2020, 09:24 Uhr

Große Unterschiede im Kampf gegen Covid-19

 

Die Einschätzungen der Ausbreitung von Covid-19 lagen in vielen Ländern weit auseinander: von schnellem und konsequentem Handeln mit entsprechenden Maßnahmen bis zu Repression und Vertuschung der Infizierungsfälle und dem Unwillen, den Ernst der Stunde wahrzunehmen.

China: Virus zunächst massiv unterschätzt

In China, wo der Virus ausbrach, liegt nach heutigem Stand die Zahl der Infizierten bei 82.900, das sind sechs Fälle pro 100.000. China hat bis heute 4.633 Todesfälle zu verzeichnen, 0,3 Todesfälle pro 100.000 Einwohner.

Die warnenden Worte eines Arztes aus Wuhan schon im letzten Dezember wurden zum Verstummen gebracht. Die KP-Führung ließ in den Forschungseinrichtungen noch im Januar alle Tests abbrechen, alle Proben vernichten und verhängte eine Pressesperre.

Am 20.1. bestand kein Zweifel mehr, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Doch erst dann forderte der chinesische Staatschef die zuständigen Behörden auf, einer weiteren Ausbreitung der Epidemie entschieden zu begegnen. Seit Beginn der Kenntnis über die Existenz eines neuen Virus wurde in China wertvolle Zeit verspielt. Die Gefahren der Ansteckung und einer rasanten Verbreiten der neuen Krankheit wurde massiv unterschätzt. Der Staatsführung war die Kontrolle der öffentlichen Meinung prioritär. Zwangsmaßnahmen wie die Sperrung ganzer Städte mit regider Isolation der Menschen gehören zu eindämmenden Maßnahmen wie z.B. die  sogenannte Health Code Apps, in die Bürger ihre Gesundheitsdaten eingeben müssen. Zusammen mit automatisch generierten Bewegungsprofilen, errechnete die KI die individuelle Wahrscheinlichkeit einer Infektion: von Grün für keine Gefahr, über Orange bis Rot mit Folge sofortiger sanktionierter Quarantäne.

Iran: Vertuschung und Verharmlosung

Infizierte gesamt: 112.725. 137,8 pro 100.000. Todesfälle: 6.783. Todesfallindiz 8,3. Schon im März 2020 gehörte der Iran neben China, Südkorea und Italien zu den am stärksten betroffenen Staaten. 

Der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 5. April 2020 nannte 3.452 Todesfälle und damit mehr Todesfälle als in China. Allerdings bezweifelte die iranische Regierung  die Zahlen der WHO. Präsident Rouhani versucht die Zahl von Infizierten zu mindern und die Covid-19-Epidemie zu verharmlosen bzw. zu vertuschen. Engpässe vor allem bei Medikamenten, lassen wütende Menschen auf die Straße gehen. Gefangene brechen aus Gefängnissen aus, um einer Ansteckung zu entgehen,  und werden auf der Flucht erschossen. Das einzelne Menschenleben zählt nicht, der Machterhalt des Mullah-Regimes hat Vorrang.

Taiwan: Katastrophenplan seit Sars-Epidemie 2003

Das Land hat bis heute nur knapp 2 Fälle pro 100.000 Einwohner und insgesamt 7 Todesfälle gemeldet. Von 440 Infizierten sind 375 Menschen bereits genesen. Durch die geografische Nähe zu China und die hohe Pendlerzahl von 1,5 Millionen Taiwanern, die in China arbeiten, wären die Voraussetzungen für eine massive Ausbreitung des Covid-19-Virus gegeben. Es gab keine Ausgangsbeschränkungen. Universitäten, Schulen, Restaurants und Geschäfte, Fitnessstudios blieben geöffnet. Seit Beginn der Krise im Januar wurde intensiv getestet. Aus der Sars-Epidemie 2003 hat das Land gelernt, sich auf zukünftige Epidemien einzustellen. Taiwan hat systematisch Katastrophenpläne erstellt und eine institutionelle Struktur entwickelt.

Bereits Mitte Januar machten zwei Virologen aus Taiwan nach dem Besuch in Wuhan die WHO darauf aufmerksam, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist und nahmen den „worst case“ an.

Am 25. Januar schloss Taiwan seine Grenzen für Besucher aus der Volksrepublik China, Hongkong und Macau. Gleichzeitig erarbeiteten die Behörden eine Datenbank, die die Informationen der Gesundheitsbehörde mit denen der Einwanderungs- und Zollbehörde zusammenfasste. So konnte man die Reiserouten, Kontaktwege und Krankheitssymptome jedes Einreisenden nachverfolgen und damit zu einem sehr frühen Zeitpunkt – durch strafbewehrte Quarantänemaßnahmen für Personen mit Ansteckungsverdacht – die Infektionsketten unterbrechen. Derzeit hat Taiwan die Infektionsketten unter Kontrolle. Eine umfassende und transparente Berichterstattung sorgte dafür, dass die Bevölkerung die Aufforderungen der Regierung ernst genommen und auch ohne offiziellen Lockdown ihre Alltagsaktivitäten runtergefahren hat. Der wirtschaftliche Schaden ist bisher bedeutend geringer als in anderen südostasischen Staaten.

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