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29.01.2021, 13:49 Uhr

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

 

Im Anschluss an die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am Mittwoch (27.1.2021) habe ich der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, einen Brief geschrieben, in dem ich ihr für Ihre Ausführungen gedankt habe. 
 
Für mich, geboren als Deutscher 1947, der in der DDR aufgewachsen ist und bis zum Fall der Mauer dort gelebt hat, war die Rede ein großes Geschenk einer deutschen Jüdin an das deutsche - „ihr“ - Volk, wie sie es mehrfach betonte. In der längeren Zeit meines Lebens hätte ich es nie für möglich gehalten, dass in solcher Weise vom deutschen Volk systematisch entrechtete, gequälte, getötete Menschen und ihre Nachfahren jemals wieder diesem Land und Volk ein Miteinanderleben anbieten können. 
 
Die Rede hat mich an tief prägende persönliche Erfahrungen erinnert. Vier Monate durfte ich als Volontär in einem Elternheim in Jerusalem (Diesen Wunsch konnte ich mir als Rentner nach der nun erlangten Reisefreiheit endlich erfüllen.) Tischgemeinschaft mit einer Dame genießen, die im KZ Theresienstadt leben musste und überlebt hatte. Heute hängt eine Gesichtsmaske aus Ton, die sie - unterdessen ohne eigene Familie verstorben - mir fast als Vermächtnis schenkte, in unserem Wohnzimmer. Und mit ihr die Geschichte dieser Maske. Es ist die Geschichte von dem Mädchen Margit, von dem SS-Männer als Geburtstagsgeschenk für den Führer den Abdruck ihres Gesichtes für das Relief einer arischen Bauernfamilie in Ton brannten.
 
Meine fünf Kinder und deren Partner, meine elf Enkelkinder fragen immer wieder nach dieser  Geschichte. Und so ist diese Maske, und mit ihr immer wieder Margit mit ihrem Leben in der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte, in unserer Mitte. Und ich darf dann erzählen von ihrer Not, ihrer Bitterkeit, ihren Vorwürfen an mich und doch auch ihren Worten beim Abschied: "Martin, Sie tun mir gut."
 
Als Repräsentantin der Neugeborenen Generation sprach die Publizistin Marina Weisband über den Auftrag jünger Jüdinnen und Juden, das Gedenken der Shoah weiterzutragen, die Erfahrung der überlebenden Zeugen zu bewahren und jüdisches Leben in Deutschland ohne Angst und Frust aufblühen zu lassen. „Einfach nur Mensch sein“, lautete ihre Devise, „ohne Unterdrückung und Ausgrenzung.“
 
 
 

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