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25.06.2021, 14:22 Uhr

Flüchtlinge privat unterbringen

 

Das zentrale Thema meines ersten Jahres im Deutschen Bundestag war die Unterbringung einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen, die insbesondere aus Syrien in unser Land kommen. Mein Vorschlag, Flüchtlinge auch privat unterzubringen, hat viel Aufregung in Deutschland verursacht. Es gab Hunderte von Beschwerden, Schmähungen und sogar Todesdrohungen. All das konnte ich nur schwer nachvollziehe, denn es ging nur darum, über eine temporäre, unentgeltliche Aufnahme von Flüchtlingen im eigenen Wohnraum auf freiwilliger Basis nachzudenken. 
 
Bürgerschaftliches Engagement ist eine wesentliche Voraussetzung unseres Miteinanderlebens. Alle Bürgerinnen und Bürger profitieren in irgendeiner Weise davon. Freiwilliges Engagement gibt es in vielfältigster Weise, entsprechend Wunsch, Eignung und Vermögen der Freiwilligen. Ob als Besuchsdienst in Krankenhäusern, Paten in Mehrkindfamilien, Mitarbeiter in Hospizen, an vielen Orten unseres Lebens. Bisher habe ich keinen Protest gegen solches Engagement bemerkt. Menschen sind unterwegs, schenken Zeit und Geld und menschliche Nähe. Kriegsflüchtlinge haben Heimat, Besitz, nahe stehende Menschen verloren, liefen um ihr Leben. Kann es da verkehrt sein, zu prüfen, ob man persönlich solchen Menschen - alternativ zu einer Massenunterkunft - Unterstützung anbietet?
 
Neben der Kritik gab es aber auch viele positive Reaktionen. Nicht nur die Medien haben über meinen Vorschlag wohlwollend berichtet. Vor allem gefreut haben mich die vielen positiven Zuschriften von Menschen in unserem Land, die meine Idee unterstützt und ihre Bereitschaft bekundet haben, ebenfalls Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Ein Ehepaar, das sich fürsorglich um mehrere Flüchtlingsfamilien kümmert, habe ich in Hannover besucht. Familie Pehlke ist später von der damaligen Staatsministerin Aydan Özoguz, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, ausgezeichnet worden. 
 
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die private Unterbringung zum Bestandteil seines neuen Flüchtlingskonzepts in Baden-Württemberg gemacht. Der Ministerpräsident selber hatte ebenfalls zur privaten Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen. 
 
www.flüchtlingshelfer.net
 
Auf großes Interesse ist die von mir ins Leben gerufene Internetplattform www.flüchtinshelder.net gestoßen. Es war dies ein Forum für alle diejenigen, die Flüchtlingen helfen wollten und dabei Rat suchten. Es ging um Informationen und Tipps in praktischen Belangen wie z.B. Wohnungsvermittlung oder Fragen zu Schule, Weiterbildung, Einbürgerung oder Arbeitsaufnahme. 
 

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